Baby lachend auf der Decke liegend

Du bist voller Liebe auf diese Welt gekommen. Als Baby hast du dieses Leben mit purer und bedingungsloser Liebe begonnen. Wenn es dir jedoch wie den meisten Menschen geht, hast du im Laufe deines Lebens diese Fähigkeit immer weiter verlernt und denkst, du seist nicht liebenswert.

Inhaltsverzeichnis:

Wie kann es passieren, dass wir alle verlernen, uns selbst zu lieben?

Als Kleinkind wurde uns jeden Tag gesagt und gezeigt, was wir alles noch nicht richtig, nicht gut genug oder schön genug gemacht haben, was wir noch nicht können, wofür wir noch zu klein sind usw. Meistens haben unsere Eltern, Mütter wie Väter gleichermaßen, das Anliegen verfolgt, uns Kinder zu einem ‚normalen‘ Menschen zu erziehen, der in der Gesellschaft angenommen und akzeptiert wird. Dafür haben sie uns beigebracht, dass wir ihre Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen wie ein ’normaler’ Mensch zu sein hat erfüllen müssen, um Anerkennung und Liebe zu bekommen. 

„Sei schön brav und fleißig.“ Kommt dir das bekannt vor? Lieb, brav und fleißig sein, das sind die scheinbar erstrebenswerten Verhaltensweisen, die wir erfüllen sollten, um liebenswert zu sein und Anerkennung zu bekommen. Daraus lernt das Kleinkind, besonders in den ersten fünf Jahren, dass es so wie es ist, nicht liebenswert sein kann und deswegen so lange Liebe entzogen bekommt, bis es sich entsprechend verhält. Die Verhaltensweisen, welche das Kind in seiner Persönlichkeit mit sich bringt, sind erstmal nicht richtig, müssen angepasst und umgelernt werden, um gut, liebenswert und akzeptiert zu werden. 

Kind wird von Frau hochgeworfen mit Spaß
Von Kindern können wir bedingungslose Liebe lernen
(Photo by Thiago Cerqueira on Unsplash)

Klingt das für dich übertrieben?

Erinnerst du dich auch an Sätze wie „Wenn du jetzt schön brav bist, dann bekommst du nachher einen Luftballon.“? Die Sätze lassen sich beliebig austauschen mit vielen Situationen, z.B. Hausaufgaben machen, dafür darfst du fernsehen; schnell anziehen, dann gibt es einen Stempel etc. Auf diese Weise wurde in vielen Situationen jedem von uns erwünschtes Verhalten anerzogen und antrainiert für das wir dann Anerkennung und Liebe bekommen haben. 

Sind deswegen alle Mütter und Väter schlechte Eltern? 

Nein, natürlich nicht. Eltern handeln sicherlich nicht aus bösem Willen, sondern in ihrem Ansinnen ’nur das Beste für’s Kind‘ zu wollen auf der Basis ihrer eigenen oft unreflektierten Glaubenssätze und vieler unbewusster Verhaltensweisen, die sie möglicherweise schon von ihren eigenen Eltern oder anderen Erziehenden übernommen haben. Wenn sie die Wahl hätten, anders zu handeln, würden sie es tun. Meistens spiegelt sich im Handeln der Eltern nur deren eigenes verletztes Kind in ihnen. 

Wie ein verurteilendes Selbstbild entsteht

Aus der Erkenntnis, dass es nicht liebenswert ist, entwickelt das Kleinkind eine Vorstellung davon, wie es zu sein hat, um Liebe und Anerkennung zu bekommen. Das Kind passt sein Verhalten so an, dass es sich die Liebe verdient, indem es etwas leistet, brav und fleissig ist oder versucht möglichst perfekt zu sein, um geliebt zu werden.  Stück für Stück übernehmen wir die Vorstellungen und Gedanken unserer Eltern und Vorbilder und lassen davon unser Verhalten leiten. Es entwickeln sich ein Gefühl der Unzulänglichkeit. Unbewusst entstehen viele verurteilende und heruntermachende Gedanken sich selbst gegenüber wie z.B. ‚ich bin nicht gut genug‘.
Wir entwickeln eine ganze Werkzeugkiste der Selbstablehnung, die uns ständig daran erinnern, dass wir nicht liebenswert sind und erst etwas erfüllen müssen, um Liebe und Wertschätzung zu bekommen. 

Verurteilende Gedanken erkennen

Wenn du herausfinden möchtest, welche verurteilenden Gedanken du dir selbst gegenüber entwickelt hast, dann achte mal darauf, wo du Gedanken hast oder Sätze bei dir findest, die mit „Ich sollte …“, „Ich hätte … sollen“, „Ich brauche …“ (Zeit, Liebe, Geld, Gesundheit, etc.) oder „Ich müsste …“ beginnen. Schreibe dir diese Sätze eine Woche lang auf, immer wenn du diese Gedanken bei dir beobachtest. Beispiel für verurteilende Gedanken können sein „Ich sollte weniger rauchen.“ oder „Ich brauche mehr Zeit.“ Beobachte diese Gedanken und beginne wahrzunehmen, was sie in dir für Emotionen auslösen. Werde dir bewusst, wie du die Wirklichkeit, die um dich herum existiert, mit diesen Gedanken ablehnst und versuchst sie zu bekämpfen.

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Wie du diese verurteilenden Gedanken näher kennen lernen und verändern kannst, lernst du bei The Work von Byron Katie.


Vielleicht entdeckst du auch Gedanken wie „Ich kann nicht mit Geld umgehen.“ oder „Ich bin zu dick.“ in deinem Repertoire der Selbstverurteilung. Manchmal sind diese Sätze bereits so selbstverständlicher Teil unserer Gedankenwelt geworden, dass wir sie nicht einmal mehr bemerken. Ich lade dich ein, ganz genau nach solchen Aussagen zu forschen, in denen du dir selbst irgendwelche be- und verurteilenden Dinge anhängst oder wo du mit dir selbst schimpfst. „Ich bin so blöd.“ ist da noch eine der freundlicheren Arten sich zu verurteilen. Schreibe dir auch diese Sätze auf, damit du dich selbst besser kennen und verstehen lernst.  

Byron Katie - Glaubst du was du denkst

Emotionen die nicht gefühlt werden dürfen

Als Kleinkinder haben wir auch oft von unseren Eltern oder Erziehungspersonen gelernt, dass wir unsere Emotionen nicht ausdrücken dürfen. Wenn sich starke Gefühle z.B. in einem Wutanfall oder einem lautstarken Weinen als Ausdruck von Trauer oder Enttäuschung gezeigt haben, kamen Mutter oder Vater herbei geeilt, um zu trösten mit Sätzen wie „Ist schon wieder gut.“ oder „Es ist doch nicht so schlimm.“ die fürsorglich gemeint waren, aber dem Kind vermitteln, dass die Trauer oder der Ärger nicht gefühlt werden sollen, sondern besser herunter geschluckt werden. Dabei ist die Wut oder der Schmerz ja jetzt gerade im Moment vorhanden und das Kind möchte dies einfach nur spüren und ausdrücken dürfen. 

Du kennst vielleicht auch Sätze wie „Indianer kennt keinen Schmerz.“, „Große Jungs weinen nicht.“ oder „Stell dich nicht so an.“. Sorry, aber das ist leider totaler Quatsch und führt höchstens zu gefühllosen Erwachsenen, die ihren eigenen Schmerz und den der anderen nicht mehr sehen können oder wollen, weil sie diese Glaubenssätze so perfekt verinnerlicht haben.  Unsere Eltern wollten uns damit scheinbar vor Leiden bewahren, in Wirklichkeit haben sie es selbst nicht ausgehalten, diese Gefühle bei ihrem Kind zu erleben und mitzufühlen, empathisch zu sein und einfach zu spüren was gerade in diesem Moment da ist.

Lesetipp:

Auf Mini und Me hat Jeannine einen interessante Gedanken dazu gesammelt wie wir die Gefühle unserer Kinder verleugnen und sie beschreibt einen Weg damit aufzuhören.
Bei Mini und Me weiterlesen …

Mit den Jahren hat das Kind also gelernt, die eigenen Emotionen abzulehnen und Trauer, Angst und Wut lieber zu unterdrücken als auszudrücken. Als Erwachsene glauben wir weiterhin diese Gefühle bekämpfen zu müssen, schlucken Tabletten, machen eine Therapie oder versuchen mit Meditation oder positivem Denken die negativen Gedanken und Gefühle wegzudrängen. Dabei sind diese Gefühle ein Teil von uns selbst, wollen gesehen, wahrgenommen und vor allem gefühlt werden. Wir haben diese Emotionen selbst geschaffen, meistens mit unseren verurteilenden Gedanken über uns selbst und über andere. 

Wir glauben, nicht liebenswert zu sein, wenn wir solche Gefühle haben. Und als Folge davon versuchen wir das ganze Leben lang mit allen Mitteln Anerkennung, Liebe und Bestätigung von außen zu bekommen. Wir sind süchtig danach von unseren Partnern, Chefs, Kollegen usw. geliebt zu werden.

Die Folge unserer Selbst-Ablehnung

In der Überzeugung, dass wir nicht liebenswert sind, so wie wir sind, suchen wir ständig außerhalb von uns nach Liebe, Anerkennung und Bestätigung. Wohin führt dieser Wunsch von anderen geliebt zu werden? Er kann nur zu Enttäuschung führen. Warum sollte dich denn jemand anderer lieben – dein Partner, deine Tochter oder deine Freunde – wenn du selbst dich nicht einmal liebst? 

Wer sich selbst keine Liebe schenkt, der kann auch keine von jemand anderem annehmen. 

Du kannst von anderen Menschen nicht mehr Liebe bekommen, als du selbst in der Lage bist dir zu geben. Solange du davon überzeugt bist, dass du nicht liebenswert bist, wird dir auch niemand Liebe geben.

Lass dich von Robert Betz und seinem Vortrag zur Selbstliebe inspirieren


Solange du dich selbst ständig verurteilst für deine Handlungen, Gedanken oder Gefühle, verurteilst du auch nach außen hin und suchst die Schuldigen überall um dich herum (der Chef, die unsensiblen Menschen, die Politik etc.) und erkennst dabei nicht, dass alles was dich unglücklich macht, nur deine selbst geschaffenen, verurteilenden Gedanken sind. 

Die meisten Menschen versuchen dann ihr Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung von Außen zu füllen, indem sie sich in Ersatzhandlungen flüchten z.B. häufig shoppen gehen, viel zu viel arbeiten, übermäßig essen, rauchen oder sich ständig für andere aufopfern. Sie lenken sich ab und beschäftigen sich, anstatt hineinzuschauen und die Gedanken zu betrachten, die sie zu diesen Handlungen führen.

Die eigenen Ersatzhandlungen erkennen

An all diesen Handlungen ist nichts grundsätzlich schlechtes zu finden, nur die darunterliegende Ursache sollte genauer betrachtet werden. Und die Ursache ist meistens ein unbewusstes Ausgleichen unserer tiefen Sehnsucht nach Liebe, Anerkennung und Bestätigung.

Kennst du solche Handlungen auch von dir? Isst du vielleicht immer eine halbe Tafel Schokolade, wenn der Chef wieder über einen Fehler im Dokument geschimpft hat? Oder kaufst du dir ein neues Kleid, wenn du Streit mit deinem Kind hattest, um dich wieder besser zu fühlen? 

Die Herausforderung solche Ersatzhandlungen bei sich zu erkennen ist, dass sie unbewusst ablaufen. Umso schwieriger daher, herauszufinden welche Handlungen dies bei dir ganz konkret sind. Vielleicht machst du ein Experiment und traust dich eine Freundin, ein Geschwister oder deine*n Partner*in danach zu fragen was sie bei dir schon beobachtet haben? Aber manchmal weisst du es sowieso schon ganz genau und hast jetzt die Gelegenheit herauszufinden, ob dir diese Verhaltensweisen eigentlich heute noch nützlich sind, die du dir schon so lange angewöhnt hast. Oder ob du dir eigentlich etwas ganz anderes wünschst als die 33. Handtasche oder wieder eine Tüte Chips in dich hinein zu futtern. 

Bitte, schau dich einfach mal so an, als ob du deine beste Freundin oder dein bester Freund wärst und beobachte ganz genau, was du an dir siehst. Nimm alles wahr, ohne dein Verhalten oder deine Gedanken dabei zu verurteilen. Analysiere und betrachte dich ganz freundlich und liebevoll. Und schon bist du auf dem ersten Schritt zu mehr Selbstliebe, wow!

Byron Katie - Glück ist der natürliche Zustand

Wie du Selbstliebe lernen kannst

Sich selbst lieben zu lernen ist eine große Herausforderung, aber die gute Nachricht lautet: Selbstliebe lässt sich lernen und trainieren wie einen Muskel. Und die Belohnung die du dafür erhältst – nämlich pure und bedingungslose Liebe zu dir selbst – ist unschätzbar wertvoll. Es wird vieles in deinem Leben leichter, schöner und glücklicher sein, wenn du mit dir, deinen Gefühlen, Gedanken und Handlungen eine liebevolle Beziehung eingehst. 

Ich lade dich ein, die pure Liebe mit der du auf diese Welt gekommen bist, wieder neu zu lernen und zu entdecken.

Bald habe ich hier für dich noch einige Anregungen und hilfreiche Tipps, wie du Selbstliebe lernen und üben kannst.

Wann denkst du über dich selbst verurteilend? Und sind dir schon Ersatzhandlungen eingefallen, die du immer machst, wenn … passiert ist? Schreib mir dazu unten in den Kommentaren oder persönlich. Ich freu mich von dir zu lesen!

*from my heart to yours*
Deine Chill